26.02.2018

Das FESTIVAL NEXT GENERATION 2018

Umfassend, spannend und beispielhaft

Das FESTIVAL NEXT GENERATION 2018

 

Bereits das achte Mal ging im Februar 2018 das FESTIVAL NEXT GENERATION im Grand Resort Bad Ragaz über die Bühne. Und es war eine ganz besonderes Edition in diesem Jahr, denn nicht nur dass die Zahl Acht als Leitmotiv wunderbare Zahlenspiele offerierte, sondern die beiden Artists in Residence waren geschickt und großartigem Fingerspitzengefühl von dem Gründer und Intendanten des Festivals, Drazen Domjanić, ausgewählt worden. Doch das war bei weitem nicht die einzige Besonderheit …

 

Ensemble Esperanza

Als erstes muss das Ensemble Esperanza im Kanon der jungen Talente, die man in Bad Ragaz während des Festivals erleben kann, genannt werden. Denn gerade dieses Streicherensemble, das sich erst 2015 gründete, ist die tragende Säule des Festivals. Unter der Leitung der erfahrenen Geigerin Chouchane Siranossian hat sich das Ensemble in kürzester Zeit zu einem der besten Kammerorchester in Europa gemausert. Und die stilistische Bandbreite, die das Ensemble Esperanza auch in diesem Festival präsentierte, war bemerkenswert. Ob Werke des Finnen Jean Sibelius, des Engländers Benjamin Britten, von Johannes Brahms oder dem armenischen Komponisten Komitas: Immer ist der geschlossene Klang der Streicher und der stilistisch emotionale Ausdruck derart passend und wirkungsvoll, dass die Zuhörer auch in diesem Jahr staunend zuhörten. Und es kamen viel Zuhörer. Von Jahr zu Jahr hat sich die Qualität dieses Festivals mehr und mehr unter Kennern herumgesprochen, kommen nicht nur Gäste aus der Umgebung, sondern reisen aus Liechtenstein, Deutschland oder den Niederlanden nach Bad Ragaz, um die jungen Künstler, die sich gerade auf dem Sprung zu einer internationalen Karriere befinden, hier erstmals zu hören. Auch dies ist eine Erfahrung, denn das Publikum der ersten Austragungen haben erkannt, dass Künstler wie der Geiger Marc Bouchkov oder der Cellist Kian Soltani (um nur zwei von vielen zu nennen) mittlerweile auf den grossen Bühnen dieser Welt angelangt sind, die es erstmalig in Bad Ragaz hörte. Nicht weniger als fast 1800 Zuhörer kamen in diesem Jahr. Bedenkt man die intime Atmosphäre der Säle, die da bespielt werden, kann man sich leicht ausmalen, dass fast alle Konzerte ausverkauft waren.

 

Artists in Residence

Auch in diesem Jahr hatte man wieder mit den beiden Artists in Residence, der Geigerin Sara Domjanić (20 Jahre) und dem Pianisten Robert Neumann (16 Jahre) einen Einblick in die Entwicklung ganz junger Musiktalente, die bald schon an anderen Orten zu hören sein werden. Brillant präsentierten sich beide in unterschiedlichen Besetzungen, als Solisten, Kammermusiker oder in Konzerten mit Orchester. Und keiner im Publikum war nach den gebotenen Leistungen erstaunt darüber, dass man gerade diese beide zu den hervorgehobenen Künstlern dieses Festivals gekürt hatte.

 

Die Acht

Doch die Zahl Acht schimmerte im gesamten Festival durch. So hatte man mit acht jungen Cellisten aus aller Welt ein Konzertprogramm entworfen, das zeigte, dass auch Bearbeitungen von Werken mit einer anderen Besetzung bei entsprechend hochwertiger Ausführung ein Fest für die Ohren werden kann. Auch das Ardemus Quartet, ein Saxophonquartett, bewies das anders Klingende in Bearbeitungen von Schostakowitschs Klavierquintett (mit dem famosen Boris Kusnezow am Klavier) und konnte zudem mit Brahms’ Horntrio Op. 40 mit Saxophon besetzt, beweisen, wie gut sich der Klang des Instruments, das mehr aus dem Jazz denn aus der Klassik bekannt ist, zu neuen interpretatorischen Höhenflügen führen kann. Und so hatte man mit Trio und Quintett wieder eine Acht im Programm. Dass zwei mal Vier Acht ergibt bewiesen die beiden eingeladenen Streichquartette, das Gioventù Quartett aus den Niederlanden und das Abad String Quartet aus Kolumbien. Nachdem sie famos grosse Werke der Streichquartettliteratur im intimen Rahmen im Musiksalon des Grand Resort Bad Ragaz interpretiert hatten, vermochten sie mit einem Doppelquartet von Louis Spohr und einem Oktett des Dänen Niels W. Gade den Zuhörern in der Evangelischen Kirche in Bad Ragaz einen besonderen Ohrenschmaus zu bieten.

 

Gesellschaftliche Relevanz

Die jungen Musiker im Festival sind sich ihrer besonderen Stellung sowie ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung, ihre Musik an alle Schichten und Zuhörer dieser Welt weiterzutragen durchaus bewusst. Und so ist es für sie ein Muss, ihre Musik auch den Kinder in der Region um Bad Ragaz näherzubringen. Auch in diesem Jahr hatten sie Kinder im Grundschulalter und aus weiterführenden Schulen eingeladen, mit ihnen gemeinsam ihre Musik näher kennenzulernen. 520 Schulkinder waren an zwei Vormittagen der Einladung gefolgt. Und sie waren begeistert von der Lust und der Intensität, die diese Art der sogenannten klassischen Musik – einmal ein bisschen erklärt – auf sie auszuüben imstande ist.

Ein Streichoktett aus den Niederlanden hatte zudem den gesundheitlich weniger Privilegierten in der neurologische Abteilung der Kliniken in Valens ihre Musik dargeboten. 150 Patienten lauschten ihrer Musik und waren zutiefst ergriffen. Dies bewies: Musik ist etwas Verbindendes, etwas hoch Emotionales, das alle Altersgruppen zu packen versteht, wenn sie ihnen nähergebracht wird. Gut dass die Festival-Organisation mit diesen Konzerten raus aus dem Konzertsaal geht, hinein in die Herzen der Zuhörer, die ansonsten vielleicht nur selten in Kontakt mit dieser Musik in Kontakt kommt.

 

Brillante Sonderkonzerte

Diese Kirche war aber zwei Tage zuvor die Austragung von etwas ganz Besonderem: Der 23-jährige österreichische Pianist Aaron Pilsan hatte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen beide Bände von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperierten Klavier“ aufgeführt. Eine Mammutleistung zum einen. Aber vor allem war die Tiefe der Ausarbeitung und die faszinierende dramatische Linie, die Aaron Pilsan über die 270 Minuten Gesamtaufführungsdauer beibehalten konnte ein Erlebnis, das keiner der Besucher wohl jemals im Leben wieder vergessen wird.

Natürlich wäre ein FESTIVAL NEXT GENERATION nur eine Worthülse, würde man nicht den Pfad der Suche nach den ganz jungen Talenten gehen, um sie zu fördern, sie vielleicht erstmals einem Publikum in Europa vorzustellen. Mit den „Musikalischen Entdeckungen“ hatte man vier Musiker in ihren Teenager-Jahren nach Bad Ragaz geholt: Den Flötisten Yuan Yu aus China (* 2001), die Pianisten Hao-Wie Lin aus Taiwan (* 2004) und Evelyne Medvedko aus Russland (* 2004) sowie den Cellisten Philipp Schupelius aus Deutschland (* 2003). Mit wie viel Verve und Inspiration diese ganz Jungen in Bad Ragaz musizierten, zeigt, wie viel Talente in der Welt sich der klassischen Musik verpflichten, ihr ein Leben widmen, um die Herzen der Zuhörer zu ergreifen. Auch dies ist eine wichtige Aufgabe dieses Festivals: Die übernächste Generation hier erstmals vorzustellen und sie weiter zu beobachten.

 

Einmaliges Erleben abseits der Musik

Natürlich dreht sich im FESTIVAL NEXT GENERATION alles um die Musik. Aber auch um die jungen Musiker. Sie leben und arbeiten dort, wo sie auftreten, im Grand Resort Bad Ragaz. Und auch dies ist für das Publikum etwas Besonderes, denn es kann den gesamten Tag über die Musiker treffen, sie


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